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Meine Fundkatze Coco

Es war ein ziemlich kalter März-Samstag, wir hatten gerade mal 3 °C und ich griff zu meinen Handschuhen. Wie jeden Samstagmorgen zog ich auch an diesem Tag mit unserem Hund Sam zum Brötchen einkaufen los.

An der Weseler Straße sprang die Ampel auf Rot. Etwas fröstelnd warteten wir. Mein Blick blieb an zwei winzigen schwarzen Dreiecken hängen. Waren das etwa Katzenohren? "Komm, Sammy, ich glaube, da ist etwas für uns". Mit diesen Worten stapften wir durch den ungepflegten Rasen. Im Gras lauerte zusammengerollt ein kleines Etwas und starrte uns mit kugelrunden, ängstlichen Augen an.

Während Sam an einem Pfahl angebunden auf mich wartete, wollte ich das kleine Tier fangen und streckte meine Hand aus. Als das Kätzchen versuchte zu fliehen, bemerkte ich, dass beide Hinterbeine lahmten. Schnell griff ich erneut nach ihm und steckte es in meine Einkaufstasche. Es maunzte kurz, dann drückte es sich in die Tasche und gab seinen Widerstand auf.

An diesem Samstag gab es in unserem Haushalt keine frischen Brötchen, statt dessen war ein Tierarztbesuch angesagt.

Wie er feststellte, war das Kätzchen eine ca. 5 Monate alte Katze. Wie soll sie heissen? Trotz Schmerzen, die sie haben musste war sie wunderschön. "Coco" fiel mir spontan ein.

"Ein kleiner Mischling. Irgendetwas Echtes ist da drin", meinte der Tierarzt. Das Unterhaar war hell-beige und hob sich von dem schwarzen Oberhaar kontrastreich ab. Ich liess Coco für die notwendigen Untersuchungen in der Praxis. Der Befund:

Das Blut war in Ordnung, äusserlich keine Verletzungen, das Becken war jedoch mehrfach gebrochen. Diese Verletzung lag schon einige Tage zurück. "Das junge Tier würde eine Operation gut und erfolgreich überstehen", sagte der Tierarzt, "was soll geschehen?". "Natürlich operieren, was sonst?" erwiderte ich. Coco sollte ihre Chance bekommen.

Coco nach der Operation

Anfangs war Coco sehr scheu und ängstlich. Sie lebte zunächst in einem kleineren Gehege, da sie wegen der Verletzung noch nicht springen durfte. Aufgeregt fauchte sie mich an, wenn meine Hand ihr zu nahe kam. Geduldig wartete ich auf ein Schnurren und freute mich über jede zaghafte zutrauliche Reaktion.

Nach zehn Wochen konnte sie in einen größeren "Käfig" umziehen, denn ihre Hinterbeine waren wieder belastbar. Geduckt wie ein Raubtier schlich sie umher und beschnupperte vorsichtig die für sie neue Umgebung.

An Sam und unsere Katzen hatte sie sich rasch gewöhnt. Doch die Kommunikation war schwierig: Coco konnte nämlich nicht miauen, sondern lediglich piepsen.

Das Fell an der Operationsnarbe wuchs allmählich nach und Coco begann mit einer regelmässigen Fellpflege. Sie bewegte sich zu diesem Zeitpunkt bereits frei im Haus. Obwohl ihre Muskeln noch sehr geschwächt waren, jagte sie mit grossem Eifer Fliegen nach. Anfangs war sie dabei nicht sehr erfolgreich, doch wurde es von Tag zu Tag besser.

Wir konnten Coco leider nicht behalten, denn in unserem Haushalt leben bereits fünf Katzen. So wurde sie nach vier Monaten über die Katzenhilfe an eine sehr liebe katzenerfahrene Familie vermittelt.

Coco gesundet

Gestern besuchte ich Coco das erste Mal. Es geht ihr sehr gut. Sie ist der Mittelpunkt ihrer neuen Familie und bekommt die unendliche Zuneigung, die sie nach den vielen Strapazen verdient hat.

Sie war etwas gewachsen, ihr weiches Fell glänzte. Lange blickte sie mich mit ihren Kulleraugen an und beobachtete mich regungslos.

Kennen Sie den Blick einer Katze, der so vielsagend ist, dass er unter die Haut geht, und der Worte überflüssig macht?