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Lara, eine Katzendame, die uns in Atem hielt
Lara lebte mit ihren sechs Geschwistern in einem vernachlässigten Haushalt. Sie war bereits 1 ½ Jahre alt, als wir sie in unsere Obhut nahmen.
Mit Untergewicht und gesundheitlich unterversorgt gelangte sie in ihre Pflegestelle. Hier wurde sie aufgepäppelt und beobachtet. Sie verhielt sich tadellos und unauffällig. Doch leider kam sie nicht zur Ruhe: Der "hauseigene" Kater verhielt sich sehr dominant und verprügelte Lara, wo immer er konnte. Die Situation schien zu eskalieren und wir mussten eine Lösung finden.
Es war eine glückliche Fügung: Zur selben Zeit suchte eine Familie, die ebenfalls eine Katze - eine alte, gutmütige Kätzin - besass, ein Jungtier. Es wartete ein gute Zuhause auf Lara: Wiesen und Felder mit unzähligen Mäusen und herzliche Menschen.
Guten Gewissens vermittelten wir Lara als Zweitkatze zu der alten Freigängerin. Da Lara jedoch überraschenderweise die Prügel, die sie in der Vergangenheit eingesteckt hatte, an Muschi, die alte Katze, weitergab, folgte für alle Beteiligten eine aufregende Zeit. Tagelang wussten wir nicht, ob sich die beiden zusammenraufen würden.
Zu unserer großen Freude erhielten wir eines Tages - es war noch die Zeit, in der Lara zum Eingewöhnen im Haus bleiben musste - folgendes Schreiben:
"Liebe Katzenhilfe! Ich häng nur rum, weil ich nicht raus darf. Das ist so gemein. Aber meine Pflegeeltern und meine Pflegeschwester haben gesagt, dass das noch zu gefährlich für so 'ne kleine Katze wie mich ist. Nun muss ich mich halt hier betätigen und schreibe Euch.
Am meisten Spaß macht's Muschi zu ärgern. Aber die faucht ganz schön laut. Gestern einmal so laut, dass sie sich verschluckt hat. Da hab' ich ein bisschen gelacht, aber nur ganz leise, damit ich keine getunkt kriege. Ist mir nämlich lieber, wenn ich Muschi eine tunke.
Aber es ist wirklich nett hier, muss ich schon sagen. Alle tüddeln an mir herum, ich krieg' oft was zu fressen - auch mal so zwischendurch für den kleinen Hunger - und mit Tina mach ich immer Schmusestunden. Mit Mama auch.
Papa schmust leider oft mit Muschi, das find' ich doof. Daher springe ich dann immer auf die beiden drauf. Gestern hab' ich mich einmal vertan. Da bin ich drauf gesprungen und Muschi war gar nicht da. Da hat Papa gelacht und ich hab' mich geschämt.
Ach, und den Spiegel habe ich entdeckt! Erst dachte ich ja, es wäre ein Feind, aber dann musste ich feststellen, dass der Feind echt gut aussah, denn das war ja ich!
Da geh ich jetzt öfter hin - vor den Spiegel. Aber mein Lidstrich sitzt immer, haben Mama und Tina jedenfalls gesagt: Ich guck' einfach nur so hinein, ich finde mich nämlich sehr schön!
Jetzt bin ich müde und leg' mich wieder auf die Liege. Auf die vom Dieseijner. Keine Ahnung, wie man das schreibt - Hauptsache bequem!
Macht's gut und danke, dass Ihr mich vermittelt habt!
Tschüss, Eure Lara"
Ein paar Tage später durfte Lara das Haus verlassen. Sie geniesst den Garten und das Feld, ist eine gute Jägerin geworden und fühlt sich in ihrer neuen Familie ausgesprochen wohl. Das Gerangel mit Muschi hat nachgelassen. Muschi hat sich als Boss behauptet und Lara hat eingesehen, dass es so für alle am besten ist!